***ABGESAGT!*** Sinn(m)und Freud (Vortrag von J. Hofmann)

*Der Vortrag muss verschoben werden - das Verschiebedatum wird noch bekanntgegeben!*

Julian Hofmann, Zürich

Ein Kalauer – gewiss. Doch einer mit Programm. Sinn(m)und Freud spielt mit einer Verdichtung, wie sie auch die Traumarbeit hervorbringt: Mehreres wird in einem Ausdruck zusammengezogen. Der Titel verweist auf Sigmund Freud und seinen Gebrauch des Ausdrucks „Sinn“. Zugleich klingt der Mund an – das Organ des Sprechens, in dem Sinn eine seiner Ausdrucksformen findet, und eine erogene Zone; Ort frühester Lust- und Beziehungserfahrungen. Damit ist auch auf Freuds Auffassung über die enge Verschränkung von Sinn, Körper und Sexualität angespielt. Schliesslich erinnert die Wortspielerei an Freuds eigenen Umgang mit seinem Namen: In seinen Briefen zeichnet er häufig mit „Sigm.“. Wo er seinen Namen ausschreibt – so hat Judith Le Soldat (2020: 199) gezeigt – geschieht dies nicht ohne unbewussten Sinn. Der Titel bewegt sich damit in jenem Feld von Verschiebungs- und Verdichtungsprozessen, die Freud als Mechanismen der Sinnentstellung beschrieben hat.

Was der Titel im Kleinen inszeniert – die produktive Mehrdeutigkeit, das Oszillieren zwischen Bedeutungsaspekten –, prägt im Grossen Freuds Gebrauch des Ausdrucks „Sinn“. Er weist diesem Ausdruck eine zentrale Stellung in der Psychoanalyse zu. Dass sich durch Interpolation unbewusster Akte „Sinn und Zusammenhang“ gewinnen lassen, führt er als grundlegendes Argument für die Annahme des Unbewussten an (GW X, 1915: 265). Trotz dieser Zentralität scheint Freud, von dem wir sonst grosse Präzision gewohnt sind, im Gebrauch des Ausdrucks „Sinn“ zu schwanken. In seinen Vorlesungen legt er sich darauf fest, unter dem Sinn eines psychischen Vorganges „[n]ichts anderes als die Absicht, der er dient, und seine Stellung in einer psychischen Reihe“ (GW XI, 1917: 33) zu verstehen. Einige Seiten später ergänzt er diese Explikation jedoch kommentarlos um den Begriff der „Bedeutung“ (ebd.: 55).

Diese Ergänzung ist folgenreich: Sie nährt die weit verbreitete Auffassung, neurotische Symptome seien semantische Phänomene und die Psychoanalyse mithin ein genuin hermeneutisches Unterfangen. Spätestens seit Adolf Grünbaums (1984) Kritik ist jedoch umstritten, ob Freud tatsächlich an eine semantische Relation dachte, wenn er neurotischen Symptomen einen Sinn zuschrieb – oder nicht primär an eine kausale.

Der Vortrag rekonstruiert Freuds Gebrauch des Ausdrucks „Sinn“ im Lichte dieser Spannungen. Dabei soll deutlich werden, dass sich an diesem Ausdruck eine Grundfrage der Psychoanalyse entscheidet: ob sie primär als hermeneutisches, oder als kausales Unterfangen zu verstehen ist – oder ob diese Gegenüberstellung ohnehin zu kurz greift.

 

Zeit: Donnerstag 04. Juni 2026, 20:00-21:30 Uhr

Ort: Weggenstube, Restaurant Weisser Wind, Oberdorfstrasse 20, 8001 Zürich

Eintritt: Fr. 20.- / frei für Studierende sowie GAD-Mitglieder

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