Erschöpfung - oder die Grenzen der Hermeneutik im Zeitalter ökologischer Krisen
Erschöpfung - oder die Grenzen der Hermeneutik im Zeitalter ökologischer Krisen
Vortrag von Dr. Claudia Keller, Deutsches Seminar der Universität Zürich
Die mit der Sorge und den Sorgen einhergehende Erschöpfung ist heute omnipräsent: Im feministischen Care-Diskurs, als Burn out in der Arbeitswelt einer neoliberalen Marktwirtschaft – und sie greift sogar über auf die Formen des Widerstands in den aktivistischen Bewegungen. Dass Erschöpfung etwas mit den lebensfeindlichen Mechanismen des Kapitalismus zu tun hat, wie es Eva von Redecker dargestellt hat (Revolution für das Leben, 2020), wird immer offensichtlicher. Die Erschöpfung hat aber auch mit dem Gefühl der Ohnmacht zu tun, das sich breit macht angesichts der Kluft zwischen der Dringlichkeit zu Veränderung im Zeitalter ökologischer Krisen und der Beharrlichkeit der herrschenden Verhältnisse. Zuletzt aber ist auch das Gegenteil der Fall: Die Erschöpfung ist aktuell immer auch dort präsent, wo deutlich wird, dass die grossen und radikalen Veränderungen, die sich aktuell vollziehen, gerade nicht anerkannt, sondern weiterhin alte Denk- und Sprachstile mitgetragen werden.
Der Vortrag beleuchtet diese verschiedenen Aspekte der Erschöpfung, jedoch mit einem besonderen Fokus auch auf die nicht-menschliche Erschöpfung (des Planeten, der Biodiversität), und diskutiert dabei kritisch den Stellenwert, den die hermeneutische Philosophie noch haben kann – in einem Zeitalter, in dem es nicht um Wiedererkennen, sondern um Verabschieden geht und in dem man immer schon genug verstanden, aber zu wenig gehandelt hat.
Zeit: Donnerstag 11. Mai 2023, 20:00-21:30 Uhr
Ort: Restaurant Weisser Wind, Neuzofingersaal, Oberdorfstrasse 20, 8001 Zürich
Eintritt: Fr. 20.- / frei für Studierende sowie GAD-Mitglieder