Die Zweideutigkeit des Sinnbegriffs und die Fragen nach einem möglichen Jenseits von jeglichem Sinn (Vortrag von Dr. phil. Alice Holzhey)

Dr. phil. Alice Holzhey, Zürich

Sinn ist schon deshalb nicht gleich Sinn, weil es zwischen einem hermeneutischen und einem normativen Sinnbegriff zu unterscheiden gilt. Dieser Unterschied wird nur in den je zugehörigen Adjektiven sinnhaft und sinnvoll manifest. Ein Satz, dessen Sinn wir verstehend erfassen können, ist sinnhaft; ob wir den Sinn der im Satz zum Ausdruck gebrachten Aussage auch bejahen und also die vertretene Auffassung für sinnvoll halten, ist damit noch unentschieden. Wer erklärt, das Leben habe für ihn allen Sinn verloren, spricht klar von jenem normativen Sinn, der das eigene Leben erst sinnvoll und damit auch lebenswert macht.

Folgt man der heute vorherrschenden Auffassung vom Menschen als dem grundsätzlich sprachlich verfassten Lebewesen, dann können wir Menschen gar nie aus dem Sinn im Sinne der (hermeneutischen) Sinnhaftigkeit herausfallen, weil der hermeneutische Sinn so universal ist wie die Sprache, in der wir leben. – Gegen diese Auffassung hat meines Wissens nur die Existenzphilosophie Einspruch erhoben, indem sie auch ausgewählten Emotionen, insbesondere der «Angst» im Unterschied zur «Furcht», den Rang eines eigenen, von allem hermeneutischen Verstehen unabhängigen ‘Erkenntnisorgans’ zuerkannt hat. Wenn man diesem Einspruch folgt, dann verliert auch der hermeneutische Sinnbegriff seine universale Reichweite, was eine ganz andere Sicht auf den Menschen eröffnet.

Dies deshalb, weil der Mensch in dieser Sicht den Status eines immer in irgendeiner Sinnhaftigkeit eingebetteten Lebewesens verliert und sich stattdessen als jenes Lebewesen entpuppt, das zwar fundamental auf Sinnorientierung angewiesen ist, aber dennoch im Prinzip jederzeit durch einen plötzlichen Einbruch der «Angst» der Erfahrung eines umfassenden Sinnentzugs ausgesetzt sein kann.

Zeit: Donnerstag 06. November 2025, 20:00-21:30 Uhr

Ort: Karl der Grosse, Barockstube, Kirchgasse 14, 8001 Zürich

Eintritt: Fr. 20.- / frei für Studierende sowie GAD-Mitglieder

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